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<title>Georgios Synkellos</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Georgios Synkellos</span></h1>
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<p><b>Georgios Synkellos</b> (<span style="font-style:normal;font-weight:normal"><a href="Mittelgriechische_Sprache" title="Mittelgriechische Sprache">griechisch</a></span> <span lang="grc-Grek" class="Grek" style="font-style:normal">Γεώργιος ὁ Σύγκελλος</span>, auch <i>Georg der Mönch, genannt Synkellos</i>, <span style="font-style:normal;font-weight:normal"><a href="Latein" title="Latein">lateinisch</a></span> <span lang="la-Latn" style="font-style:italic">Georgius Syncellus</span>) war ein <a href="Byzantinisches_Reich" title="Byzantinisches Reich">byzantinischer</a> Mönch und <a href="Byzantinische_Geschichtsschreibung" title="Byzantinische Geschichtsschreibung">Geschichtsschreiber</a>, der im 8. Jahrhundert lebte und nach 810 starb. Georgios lebte als Mönch in <a href="Pal%C3%A4stina_(Region)" title="Palästina (Region)">Palästina</a> und kam später an den Hof des byzantinischen <a href="Patriarch" title="Patriarch">Patriarchen</a> <a href="Tarasios" title="Tarasios">Tarasios</a>, der ihm das Amt des <i><a href="Synkellos_(Amt)" title="Synkellos (Amt)">Synkellos</a></i> (Privatsekretär des Patriarchen) verlieh. Als Synkellos war er auf den zweiten Platz in der byzantinischen Kirchenhierarchie aufgestiegen.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Die_Weltchronik_des_Georgios">Die Weltchronik des Georgios</h2></div>
<p>Georgios Synkellos verfasste eine bis in die <a href="Sp%C3%A4tantike" title="Spätantike">Spätantike</a> reichende christliche Weltchronik (<i>Ekloge chronographias</i>), an der er noch um 810 arbeitete. Da Georgios das Werk vor seinem Tode nicht vollenden konnte, behandelt die Chronik nur die Zeit bis <a href="Diokletian" title="Diokletian">Diokletian</a> (284); sein Freund <a href="Theophanes" title="Theophanes">Theophanes</a> setzte aber das Werk bis 813 fort. In der neueren Forschung wird vermutet, dass die Chronik des Theophanes wesentlich mehr Material aus Georgios' Vorarbeiten enthält, als bislang angenommen wurde,<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> doch ist dies umstritten.
</p><p>Georgios, der sehr gebildet und belesen war, arrangierte seine Darstellung in recht komplexer, aber auch origineller Weise, indem er sich offenbar intensiv mit seinen Vorlagen auseinandersetzte. Er war auch bemüht, widersprechende Chronologien zu harmonisieren. Die Chronik stellt daher mehr dar als nur eine bloße Ansammlung von Fakten, sondern ist bemüht, den Erzählstoff zu ordnen. Die Weltchronik des Georgios stand ganz in der Tradition der christlichen Chroniken seit dem 3./4. Jahrhundert. Das Werk genoss bald schon großes Ansehen und wurde für ihre Genauigkeit und umfangreiche Quellenverwertung gelobt.
</p><p>Tatsächlich stützte sich Georgios auf zahlreiche ältere Quellen, die teilweise heute verloren sind.<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> So zog er beispielsweise <a href="Manetho" title="Manetho">Manetho</a>, <a href="Kastor_von_Rhodos" title="Kastor von Rhodos">Kastor von Rhodos</a>, die Chronik des <a href="Publius_Herennius_Dexippus" title="Publius Herennius Dexippus">Dexippos</a>, <a href="Sextus_Iulius_Africanus" title="Sextus Iulius Africanus">Sextus Iulius Africanus</a>, <a href="Panodorus_von_Alexandrien" title="Panodorus von Alexandrien">Panodorus von Alexandrien</a>, <a href="Eusebius_von_Caesarea" title="Eusebius von Caesarea">Eusebius von Caesarea</a> und zahlreiche andere Autoren heran. Georgios nennt sehr oft seine Quellen, deren Darstellung er teilweise durchaus hinterfragte und nicht einfach exzerpierte. So ist die Chronik wertvoll hinsichtlich ansonsten nicht überlieferter Mitteilungen antiker Autoren. Von Bedeutung ist zudem das von Georgios verwendete chronologische Ordnungsschema, wobei er nach der <a href="Annus_mundi#Alexandrinische_Ära" title="Annus mundi">alexandrinischen Ära</a> datierte (mit leichter Abweichung der Schöpfungsberechnung auf das Jahr 5493 v. Chr., statt 5492 v. Chr.). Diese Datierung mag dafür sprechen, dass die Abfassung der Chronik bereits vor dem Aufbruch des Georgios nach Konstantinopel erfolgt ist (siehe unten), da diese Zeitrechnung dort keine größere Rolle mehr spielte.
</p><p><a href="Anastasius_Bibliothecarius" class="mw-redirect" title="Anastasius Bibliothecarius">Anastasius Bibliothecarius</a> verwendete die Weltchronik als Quelle für seine <a href="Lateinische_Sprache" class="mw-redirect" title="Lateinische Sprache">lateinische</a> Chronik. Eine weitgehend vollständige Abschrift des griechischen Originaltextes wurde 1602 von <a href="Isaac_Casaubon" title="Isaac Casaubon">Isaac Casaubon</a> in einer Pariser Bibliothek wiederentdeckt, so dass <a href="Joseph_Justus_Scaliger" title="Joseph Justus Scaliger">Joseph Justus Scaliger</a> eine Teiledition veröffentlichen konnte. Ein zweites, vollständiges Manuskript wurde erst in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts entdeckt.
</p><p>In der älteren Forschung wurde Georgios teilweise als „Abschreiber“ betrachtet, der sich fast sklavisch an älteren Werken orientierte (so Heinrich Gelzer). Dagegen erhoben mehrere Forscher berechtigten Einspruch. Schon der Entwurf der Chronik sowie die komplexe Verarbeitung offenbar unterschiedlicher Quellen sprechen dagegen.<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Vielmehr stellt die Chronik des Georgios nach Ansicht vieler Forscher ein Glanzstück der byzantinischen Chronistik dar und gilt als gelungene Weltchronik. So wird in der neueren Forschung der recht beachtliche Quellenwert und vor allem die Qualität der Darstellung und deren in der byzantinischen Chronistik unübertroffene Bandbreite betont.
</p><p>Es wird teils angenommen, dass Georgios die Chronik bereits weitgehend vollendet hatte, als er nach Konstantinopel aufbrach. In diesem Sinne wurden Überlegungen geäußert, dass, da die griechische Gelehrsamkeit im syrischen Raum noch sehr lebendig war, dies die Abfassung des Werks beeinflusst hat. In dem Material für die Zeit nach 284, das Georgios mitbrachte (und das er dann Theophanes übergab, der weniger belesen war als Georgios), war wohl bereits eine östliche Chronik eingearbeitet. Diese wird heute zumeist mit der verlorenen Chronik des <a href="Theophilos_von_Edessa" title="Theophilos von Edessa">Theophilos von Edessa</a> identifiziert.<sup id="cite_ref-4" class="reference"><a href="#cite_note-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Ausgaben_und_Übersetzungen"><span id="Ausgaben_und_.C3.9Cbersetzungen"></span>Ausgaben und Übersetzungen</h2></div>
<ul><li><a href="Wilhelm_Dindorf" title="Wilhelm Dindorf">Wilhelm Dindorf</a> (Hrsg.): <i>Georgius Syncellus et <a href="Nikephoros_I._(Patriarch)" title="Nikephoros I. (Patriarch)">Nicephorus Cp.</a></i> (= <i>Corpus Scriptorum Historiae Byzantinae.</i> Band 22/23). 2 Bände, Weber, Bonn 1829 (Digitalisate: <a rel="nofollow" class="external text" href="https://archive.org/stream/bub_gb_MM4GAAAAQAAJ#page/n5/mode/2up">Band 1</a>, <a rel="nofollow" class="external text" href="https://archive.org/stream/georgiussyncell01goargoog#page/n9/mode/2up">Band 2</a>. Textstellen aus der Chronik des Synkellos werden teils bis heute mithilfe der Seitenzahl bei Dindorf angegeben).</li>
<li>Alden A. Mosshammer (Hrsg.): <i>Georgii Syncelli Ecloga chronographica</i>. Teubner, Leipzig 1984 (heute maßgebliche kritische Edition).</li>
<li>William Adler, Paul Tuffin (Übers.): <i>The Chronography of George Synkellos. A Byzantine Chronicle of Universal History from the Creation</i>. Oxford University Press, Oxford 2002 (englische Übersetzung mit umfangreicher Einleitung und Kommentar; <a rel="nofollow" class="external text" href="https://bmcr.brynmawr.edu/2004/2004.10.27">Rezension</a>).</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li>Heinrich Gelzer: <i>Sextus Julius Africanus und die byzantinische Chronographie</i>. 2 Bände. Teubner, Leipzig 1885–1898 (Nachdruck: Gerstenberg, Hildesheim 1978, ISBN 3-8067-0748-0).</li>
<li>William Adler: <i>Time immemorial: archaic history and its sources in Christian chronography from Julius Africanus to George Syncellus.</i> Dumbarton Oaks Research Library and Collection, Washington (D.C.) 1989, ISBN 0-88402-176-9.</li>
<li><a href="Warren_Treadgold" title="Warren Treadgold">Warren Treadgold</a>: <i>The Middle Byzantine Historians</i>. Palgrave Macmillan, Basingstoke 2013, ISBN 978-1-137-28085-5, S. 38ff.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<ul><li><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.newadvent.org/cathen/06463a.htm">Eintrag</a> in der <i><a href="Catholic_Encyclopedia" title="Catholic Encyclopedia">Catholic Encyclopedia</a></i>, Robert Appleton Company, New York 1913.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Anmerkungen">Anmerkungen</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text">Cyril Mango, Roger Scott, Geoffrey Greatrex <i>The Chronicle of Theophanes Confessor. Byzantine and Near Eastern history AD 284–813.</i> Clarendon Press, Oxford 1997, ISBN 0-19-822568-7, S. LII (52) ff.</span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text">W. Adler, P. Tuffin: <i>The Chronography of George Synkellos. A Byzantine Chronicle of Universal History from the Creation.</i> Oxford 2002, S. LX (60) ff.</span>
</li>
<li id="cite_note-3"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-3">↑</a></span> <span class="reference-text">W. Adler, P. Tuffin: <i>The Chronography of George Synkellos. A Byzantine Chronicle of Universal History from the Creation.</i> Oxford 2002, S. LXXVIII (78) ff.</span>
</li>
<li id="cite_note-4"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-4">↑</a></span> <span class="reference-text">Wolfram Brandes: <i>Der frühe Islam in der byzantinischen Historiographie. Anmerkungen zur Quellenproblematik der Chronographia des Theophanes.</i> In: A. Goltz, H. Leppin, H. Schlange-Schöningen (Hrsg.): <i>Jenseits der Grenzen. Beiträge zur spätantiken und frühmittelalterlichen Geschichtsschreibung</i>. de Gruyter, Berlin / New York 2009, ISBN 978-3-11-020646-3, S. 313–343, hier S. 331ff.</span>
</li>
</ol>
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Normdaten (Person): <a href="Gemeinsame_Normdatei" title="Gemeinsame Normdatei">GND</a>: <span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://d-nb.info/gnd/118716980">118716980</a></span> | <a href="Library_of_Congress_Control_Number" title="Library of Congress Control Number">LCCN</a>: <span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://id.loc.gov/authorities/n85257538">n85257538</a></span> | <a href="Virtual_International_Authority_File" title="Virtual International Authority File">VIAF</a>: <span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://viaf.org/viaf/39386582/">39386582</a></span> | </div>
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